Archiv des Monats: August 2019

Deutsche Entwickler: im internationalen Vergleich pessimistisch, aber gut ausgebildet

Wie auch in den Vorjahren haben die Betreiber von Stack Overflow, dem weltweit wohl wichtigsten Entwicklerforum, die Daten ihrer großen jährlichen Befragung auf die deutsche Entwicklerszene heruntergebrochen. Die Ergebnisse wurden nun im sogenannten „Stack Overflow Developer Insight Report 2019“ veröffentlicht. Demnach ist der deutsche Entwickler männlich, grundsätzlich gut ausgebildet und interessiert, sich weiterzubilden, im Vergleich zu Entwicklern vieler anderer Staaten ist er aber eher pessimistisch eingestellt.

Mit dem Report will Stack Overflow detaillierte Einblicke in die deutsche Entwicklerszene, ihre Zusammensetzung, Wünsche an die Arbeitgeber sowie zu den beliebtesten Programmiersprachen bieten. Datengrundlage des nur in Ansätzen repräsentativen Reports sind die Antworten der wohl über 5300 Teilnehmer aus dem Bundesgebiet, die bei der weltweiten Befragung zusammengetragen wurden.

Wie bei den Ergebnissen vergleichbarer Studien in den vergangenen Jahren ist der prototypische Entwickler in Deutschland männlich (93,6 % männlich, 5,4 % weiblich, 1,4 % divers/inter) und jünger als 35 Jahre. Er hat ein Master-Studium an einer Hochschule absolviert (Deutschland 35,5 % vs. international 25,4 %), verfügt über bis zu neun Jahre Programmiererfahrung (66,8 %) und bildet sich auch außerhalb der formalen Ausbildung fachlich fort (Deutschland mehr als 90 % vs. international 85,5 %). Mehr als 66 Prozent der deutschen Berufsentwickler haben wohl entweder Informatik, Computertechnik oder Softwaretechnik studiert.

Eine große Pizza sollte für alle reichen

Einen großen Einfluss auf den Erfolg der Gruppe hat der Vorgesetzte, der Brückenbauer und Experten gleichermaßen schätzt. Das können viele Chefs leider nicht, erklärt Dr. Niels Van Quaquebeke, Professor für Führungs- und Organisationsverhalten an der Hamburger Kühne Logistics Universität, im Interview mit heise online

heise online: Die Aufgaben heute sind häufig so komplex, dass nur noch Teams sie lösen können. Wenn das Team so wichtig ist, dann kann das Ergebnis doch nur gut werden, wenn dessen Mitglieder zusammenpassen.

Niels Van Quaquebeke: Ja und nein. Wir wissen, dass diverse Teams nicht besser sind in der Aufgabenleistung als homogene Gruppen. Denn Diversität geht mit allen möglichen psychologischen Nebeneffekten einher wie Stereotypisierung oder der Bildung von Minigruppen, die der Aufgabenleistung abträglich sind. Trotzdem ist es so, dass ein diverses Team die Chance erhöht, besser zu werden, als ein homogenes Team, weil unterschiedliche Kompetenzen vorhanden sind, mehr Perspektiven außerdem und vielleicht auch eine bessere Vertretung der Interessen außerhalb der Organisation, etwa durch Vorträge auf Kongressen. Das Zünglein an der Waage in diversen Teams ist die Offenheit für Vielfalt in der eigenen Gruppe.

Was unterscheidet diverse von homogenen Teams?

Homogene Teams sind weitgehend ähnlich in der Zusammensetzung: mittelalte, gesetzte Männer oder junge türkische Frauen zum Beispiel. Diverse Teams sind genau das Gegenteil. Unterschiedlich im Alter, im Geschlecht und wahrscheinlich noch wichtiger, in Ausbildung, Denkweise und Einstellung.